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112 und 110 - Notruf auch für Hörgeschädigte

Das Notfall-Telefax - Wie es begann

Ende der 90-iger Jahre unternahm Klaus Büdenbender vom Deutschen Schwerhörigenbund e. V. die Aufgabe, ein bundesweites Verzeichnis aller Feuerwehrleitstellen zu erstellen. In diesem Verzeichnis sollten die Notruf-, Notruffax-, Schreibtelefon- und Telefonnummern der einzelnen Leitstellen aufgelistet sein. In geduldiger und sehr zeitaufwendiger Kleinarbeit schaffte er es binnen 2 Jahren, dieses Verzeichnis zu realisieren. Schnell zeigte sich jedoch, dass die überwiegende Mehrzahl der Leitstellen per Notfall-Telefax nur über vorwahl- und gebührenpflichtige Rufnummern erreichbar war. Nur ganz wenige Leitstellen hatten schon damals den faxfähigen Notruf schon über 112 oder 110 realisiert. Fortan versuchten Klaus Büdenbender und Carsten Ruhe in Zusammenarbeit mit namhaften deutschen Leitstellen, allen voran der Branddirektion Frankfurt am Main, die Einführung des faxfähigen Notrufes in Deutschland zu realisieren.

Die Aktion "Notfall-Telefax 112" ist eine Idee der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Schwerhörigenbund e. V.. Sie entstand Ende 1999/Anfang 2000 aus dem Gedanken heraus, dass hör- und sprachgeschädigte Menschen im Prinzip gar nicht so richtig im bundesdeutschen Notrufsysten integriert sind.

Es war sehr viel Engagement einzelner Mitglieder notwendig, um diese ganze Aktion zu beleben und letztlich auch durchzuführen. Das dies überhaupt gelingen konnte, ist aber auch vielen Brandschützern, Rettungsdienstlern, Polizisten sowie Vertreter aus dem politischen Lagern zu verdanken. Der Tenor war anfänglich allgemein gegen das Vorhaben des Deutschen Schwerhörigenbund e. V.. Trotzdem, die Aktion "Notfall-Telefax 112" konnte trotz dieses "Gegenwind" sehr erfolgreich durchgeführt werden.

Die bundesdeutschen Leitstellen von Polizei und Feuerwehr waren nur über gebühren- und vorwahlpflichtige Telefax-Rufnummern zu erreichen waren. Nicht selten waren diese Rufnummern bis zu 12 Stellen lang. Wenn man nun bedenkt, dass es alleine über 300 Feuerwehrleitstellen in unserem Land gibt, kann man sich einfach ausmalen, dass Betroffenen solch ellenlange Rufnummern nicht behalten können. Abhilfe tat daher Not...

Eigentlich wollte der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. eine eigene Notfall-Telefax-Nummer realisiert sehen. Man hatte sich intern für die 113 ausgesprochen. Doch durch intensiven Kontakt zu namhaften Brandschutzbehörden und politisch Verantwortlichen stellte sich schnell heraus, dass dieses Ansinnen ins Leere laufen würde. Dies nicht zu Letzt auch deswegen, weil die 112 als einheitliche europäische Notrufnummer vorgesehen war.

So schloss man sich schließlich den Brandschutzbehörden an, hier insbesondere der Branddirektion Frankfurt am Main. Diese hatte nämlich zwischenzeitlich herausgefunden, dass man die 112 auch mit einem Telefax erreichen konnte. Technisch war das kein Problem und Kosten verursachte die Aufrüstung auch nicht wesentlich. Die Ära der Schreibtelefone ist zwischenzeitlich Vergangenheit. Nur noch ganz wenige Leitstellen boten diese Möglichkeit. Das Faxgerät hatte zwischenzeitlich auch im privaten Bereich Einzug gehalten und war zur "Standartausrüstung" auch bei hörgeschädigten Menschen geworden. So lag es auf der Hand zu überprüfen, ob technische Möglichkeiten geschaffen werden konnten, einen Notruf auch per Telefax an die 112 oder 110 zu senden. Und im Zuge der Einführung von ISDN fand sich schließlich diese Möglichkeit auch. Mit Hlfe eines sogenannten Verbindungssatzes löste man in Frankfurt am Main das ganze Problem.

Um seinen Forderungen nach einer Einführung des bundesweiten Faxnotruf über 110/112 mehr Gewicht zu verleihen, startete der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. eine bundesweite Unterschriftenaktion. Am Ende konnten über 10.000 Unterschriften gesammelt und dem damaligen Vorsitzenden der Inneministerkonferenz, dem Bremer Innensenatort Dr. Kuno Böse, übergeben werden. Eine weitere Unterschriftenaktion erbrachte 2006 nochmals über 7.000 Unterschriften, die dem damaligem bayerischen Innenminister Dr. Günther Beckstein in München übergeben wurden.

Nach wie vor ist das Notfall-Telefax für hörgeschädigte Menschen das Notrufmittel der ersten Wahl, wenn sie einen Notfall melden müssen. Das dies ausschließlich stationär möglich ist, wird allgemein kritisiert und daher nach einer Anpassung des deutschen Notrufsystems an die heutigen Kommunikationsmittel (Handy, Smartphone, etc.) gefordert.