Menü
112 und 110 - Notruf auch für Hörgeschädigte

Notruf-App oder Notfall-Telefax?

Die Enttäuschung bei den Hörgeschädigten ist groß! Alle bisherigen Bemühungen, eine Notruf-App auf den Markt zu bringen, die vollen Notrufstatus hat, sind bislang als gescheitert anzusehen. Ein erster Versuch der Expertengruppe Notruf (EGN), 2012, scheiterte damals aus den unterschiedlichsten Gründen. 2018 will das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) es nun besser machen. Da sind die neuen Erwartungen der betroffenen Menschen natürlich wieder einmal sehr groß.

Dass hör- und sprachgeschädigte Menschen nach wie vor nicht gleichberechtigt und barrierefrei in das deutsche Notrufsystem integriert sind, ist unbestritten. Und daran ändert auch die Möglichkeit des Notfall-Telefax nicht wirklich etwas, da Betroffene damit nur von zu Hause oder aus dem Büro im Notfall einen Notruf  abschicken können. Verunglücken sie aber in Wald und Flur, wird das Melden eines Notfalls zu einem echten Problem für sie, auf jeden Fall dann, wenn sie alleine unterwegs sind. Hier muss sich also grundlegend etwas ändern!

Zuerst war es das Schreibtelefon. Diese Technik ist zwischenzeitlich völlig überholt. In den deutschen Leitstellen findet man es daher auch nicht mehr. Anschließend kam die Idee, mit einer Faxvorlage einen Notruf an die Leitstellen abzusetzen. Das Notfall-Telefax war geboren. Diese Art des Notrufs ist heute in allen Leitstellen möglich. Doch inzwischen hat die Technik schon wieder einen ganz erheblichen Sprung nach vorne gemacht. Telefaxgeräte gibt es zwar in den Leitstellen noch, doch für das Absetzen eines Notrufs, angesichts der heutigen modernen Kommunikationsmittel, sind auch diese zwischenzeitlich überholt. Heute wird die moderne Kommunikation mit Handys, Smartphones oder Tablets geführt. Dass also das Telekommunikationsgesetz (TKG) und die Leitstellentechnik hier dringend angepasst werden müssen, scheint daher nur folgerichtig.

Das Notfall-Telefax ist out! Es lebe die Notruf-App? Ganz so einfach scheint es wohl doch nicht zu sein. Zumindest, wenn man denjenigen Glauben schenken kann, die es eigentlich wissen müssten. Das BMWi startet daher aktuell einen neuen Versuch, auch eine Notruf-App ins deutsche Notrufsystem einzubinden. Dem gegenüber stehen aber auch einige Privatentwickler von Notruf-Apps, die auf den Markt drängen. Und teilweise sind deren Apps schon weit fortgeschritten, befinden sich sogar schon in der Erprobungsphase oder stehen kurz davor. Den hörgeschädigten Menschen in Deutschland soll es Recht sein. Sie warten schon lange darauf, endlich gleichberechtigt und barrierefrei ins deutsche Notrufsystem integriert zu werden.

Für die Zukunft

Für die Zunkunft wäre es sicher sehr von Vorteil, wenn es eine bundesweit einsetzbare und für alle deutschen Leitstellen kompatieble Notruf-App gäbe. Wie diese namentlich benannt wird und wer sie entwickelt hat, dürfte zumindest den hör- und sprachgeschädigten Menschen einerlei sein. Für sie zählt an erster Stell, dass sie endlich vollumpfänglich und barrierefrei am deutschen Notruf teilhaben können.