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112 und 110 - Notruf auch für Hörgeschädigte

Brandenburger Feuerwehr startet Projekt "NotrufPlus"

Brandenburg an der Havel. In einer Notsituation kommt es auf jede Sekunde an. Doch wie gelingt es Menschen mit einer Behinderung, schnell Hilfe zu holen? Bislang gibt es für sie keinen barriere­freien Notruf, für Gehörlose wird nur der Faxnotruf und in einigen Bundesländern ein Notruf per SMS angebo­ten, der eine Faxrneldung an die Leitstelle schickt. Eine direkte Kommunika­tion der Notrufenden mit den Leitstellen und die genaue Übermittlung ih­res Standortes kann nicht erfolgen. Lediglich ihr ungefährer Aufenthaltsort kann per Funkzellenortung ermittelt werden. Kostba­re Zeit verstreicht, bis die Retter erste Hilfe leisten können. Abhilfe kann nun das NotrufPlus-System, der erste barrierefreie Direktruf, schaffen. Das Pilotprojekt wurde am 31. August in der Leitstelle Brandenburg gemeinsam mit OB Dietlind Tiemann, Mitgliedern des Behindertenrates und den an der Entwicklung Beteiligten - Feuerwehrchef Mathias Bialek, den App-Entwicklern, Michael Naumann und Manuel Eckert von der Technischen Hoch­schule, Professur Dietmar Wikarski von der TH und der Behindertenbeauftragten, Katrin Tietz - gestartet. Der Notrufplus basiert auf einer kostenlosen App (i05. Android), mit der behin­derte Menschen per Touchfunktion oder Sprachsteuerung einen Notruf absetzen können. Dieser wird für die Mitarbeiter der Leitstelle auf einem großen Monitor sichtbar. Übermittelt wer­den zudem die genaue Position des Hilfesuchenden und dessen Stammdaten sowie freiwillig hinterlegte Angaben. wie beispielswei­se gesundheitliche Beson­derheiten.

Quelle: Preußenspiegel

Nr. 35/2017 E-Mail: brandenburg@preussenspiegel.biz - www.preussenspiegel-online.de

Besuch bei der Feuer- und Rettungswache der Stadt Brandenburg an der Havel

Am 02. Januar 2018 hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit meiner Frau und meinem Schwager, der in der Nähe von Brandenburg wohnt, zum Besuch der Feuer – und Rettungswache der Stadt Brandenburg an der Havel. Grund des Besuches war ein Bericht in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom September 2017. Darin wurde über eine Notruf-App berichtet, die von der Fachhochschule Brandenburg konzipiert und bei der Feuer- und Rettungswache der Stadt Brandenburg getestet wurde (s. Artikel oben). Auf Grund meiner 16-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit zum Thema „Hörgeschädigten-Notruf“ beim Deutschen Schwerhörigenbund e. V. (DSB) interessierte mich das sehr und es kam zu einem Schriftwechsel mit dem Leiter der Feuerwehr, Herrn Bialek. Dies bot mir an, mich doch bei Gelegenheit einmal vor Ort über die Funktion der Notruf-App zu informieren, was ich schließlich gerne angenommen habe.

von oben links > oben rechts > unten rechts > unten links:
Bernadette Büdenbender, Herr Dipl.-Ing. Michael Naumann, Herr Dipl.-Inform. Manuel Eckert, Klaus Büdenbender,
Foto: F. H. Schäfer

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Bialek stellten uns Herr Dipl.-Ing. Michael Naumann und Herr Dipl.-Inform. Manuel Eckert das Projekt „Notruf-Plus“ an Hand einer PPP in einzelnen, auch für uns als Laien, verständlichen Schritten vor.

Die App „NotrufPlus“ ist ein standort- und internetbasiertes Notrufkom-munikationssystem und wird von er Brandenburger Feuerwehr getestet. Hierbei arbeitete man sehr eng mit unterschiedlichen Behindertengruppen zusammen. Somit war es möglich, deren Bedarfe mit in die App zu integrieren. Die App ist sehr einfach zu bedienen, ermöglicht es der Leitstelle aber dennoch, sehr schnell zu helfen. Bei einem Notruf werden z. B. alle notwendigen und relevanten Daten mit an die Leitstelle übermittelt (Standortdaten, persönliche Daten des Notrufers, etc.). Eine integrierte Chatfunktion ermöglicht zudem die Kommunikation mit dem Notrufer.

Wer sich weiter informieren möchte, den verweise ich auf den Fachartikel von Herrn Eckert oder den persönlichen Kontakt zu Herrn Naumann.

Mein Fazit

Die Notruf-App "NotrufPlus" ist aus meiner Sicht nicht nur barrierefreie, sondern trägt auch zur Inklussion bei. Sie ist nutzbar für Menschen mit und ohne Behinderung, einfach zu bedienen und kostenlos. Für hör- und sprachgeschädigte Menschen könnte sie, sollte sie auf den Markt kommen und bundesweit einsatzfähig sein, die 1. Wahl unter den Notruf-Apps sein. Soweit ist es aber auch in Brandenburg noch nicht. Profitieren tun daher im Moment auch nur Betroffene in der Stadt Brandenburg selbst.

Abzuwarten bleibt überdies, was es mit der Notruf-App des BMWi auf sich hat, die von Frau Zypries in ihrer Pressemitteilung vom  22. September 2017 angekündigt wurde. Das Erscheinen dieser App soll nun im Frühjahr 2018 sein, wie man hört. Ausprobieren sollen die App eine handvoll ausgesuchte Leitstellen in NRW, bevor sie dann vielleicht - irgendwann - mal für Alle verfügbar ist.

Es bleibt also spannend.

Quelle: http://ceur-ws.org/Vol-2020/paper3.pdf